Rezension „Faszination Pferde Fotografie“

Rezension „Faszination Pferde Fotografie“
Autor: Wiebke Haas, erschienen bei Franzis Verlag
ISBN: 978-3-645-60402-4 für 29,95 EUR.

In dem vorliegenden Buch beschreibt Wiebke Haas auf 224 Seiten IHREN Weg der Pferdefotografie. Man merkt der Autorin an, dass Sie mit dem fotografieren von Pferden nicht nur einen Beruf, sondern auch ihre Berufung gefunden hat. Da Frau Haas kaum auf die einzusetzende Technik eingeht, sondern Begriffe wie Blende, ISO, Brennweite und so weiter nur kurz grundsätzlich erklärt, ist dieses Buch kein Ratgeber für vollständige „Fotografie-Laien“. Man sollte also seine Technik bereits weitgehend beherrschen. Unter dieser Voraussetzung finden sich im dem Buch viele wertvolle Tipps und Tricks wie man Pferde so fotografiert, dass sich ihre natürliche Schönheit und Anmut, ihre Kraft und ihre individuelle Persönlichkeit in den Bildern wiederfindet, wie man also Fotos macht, die nicht nur „Pferdenarren“ begeistern.


 

Nach der langjährigen Erfahrung der Autorin erfordern unterschiedliche Pferderassen ein unterschiedliches, an die jeweils gewählte Rasse, angepasstes fotografieren um die Tiere möglichst vorteilhaft abzubilden. Nicht jede Pose oder Kamerastandpunkt wirkt bei jedem Pferd gleich und führt zu einem hervorragenden Bild. Folgerichtig beginnt das Buch also mit der Vorstellung unterschiedlicher „Pferdegrundtypen“ und ihrer „fotografischen Besonderheiten“. Die Kategorisierung erfolgt hier nach: Vollblüter, Kaltblüter, Warmblüter, Barockpferde, Westernpferde sowie Ponys und Kleinpferde. Zu jedem dieser Typen gibt Wiebke Haas wertvolle Tipps um die Vorzüge der Tiere fotografisch zu betonen.

Im weiterem Verlauf des Buches wird kurz darauf eingegangen, wie man ein Pferd für ein Photoshooting herrichtet (Visagistik für Pferde sozusagen) und wie man eine geeignete Lokation auswählt. Nach dieser Einführung geht es dann auch ans Wesentliche, dass eigentliche Fotografieren. Gut gefallen hat mir, dass die vorgestellten Posen immer sowohl als Grafik für den Bildaufbau, als auch als fertiges Ergebnis gezeigt werden. So kann der Leser sehr gut nachvollziehen, wo die Kamera aufgebaut war, welche Haltung das Pferd eingenommen hat und mit welchem Ergebnis der Aufbau führt. Auch wie man die Aufmerksamkeit des Tieres erhält wird erklärt. Elementar für jede Art der Fotografie ist die Lichtführung. So ist es natürlich logisch, dass auch die Auswirkung verschiedener Lichteinflüsse erklärt wird. Frontallicht, Seiten- und Streiflicht, Gegenlicht und diffuses Licht kommen hier zum Einsatz. Vermisst habe ich an dieser Stelle allerdings den Einsatz von künstlichen Licht, insbesondere Blitzlicht. Schaut man sich im Internet verschiedene Pferdeporträts an, kann man an den Spiegelungen in den Augen der Tiere deutlich erkennen, dass hier Blitzlicht zum Einsatz kam. Die Autorin scheint auf den Einsatz dieses Hilfsmittels gänzlich zu verzichten. Ich kann mir denken, dass einige Pferde möglicherweise schreckhaft auf den Blitz reagieren und Frau Haas deshalb darauf verzichtet. Ob das der wirkliche Grund ist bleibt aber unbeantwortet.

Nachdem das Thema Pferdeporträt abgeschlossen ist widmet sich die Autorin nun dem großen Themengebiet „Pferde in Bewegung“. Die „Muster“ verschiedener Gangarten wie Trab oder Galopp werden analysiert und es folgen Tipps wie man der „richtigen Augenblick“ für eine optimale Darstellung abpasst und welche Phase der Bewegung vorteilhaft für den Bildeindruck ist. Auch Springreiten, Dressur oder Westernreiten haben Einzug in das Buch gefunden.  Neben den obligatorischen Beispielfotos finden sich auch hier wieder einige Zeichnungen die den Bildaufbau verdeutlichen. Tricks und Kniffe für die richtige Perspektive runden das Kapitel ab. Neben dem Pferd spielt natürlich auch der Reiter eine entschiedene Rolle. So ist es nur konsequent, dass auch diesem einige Zeilen gewidmet werden.

Auch auf Pfetdesportevents wird im Rahmen eines weiteren Kapitels eingegangen.

Frau Haas geht auf das benötigte Equipment ein und erklärt, was im Vorfeld der Veranstaltung zu beachten ist. Sowohl Turniere als auch Pferderennen werden aus fotografischer Sicht beschrieben und der Leser erfährt alles Wichtige um auch  hier zu guten Bildern zu gelangen.

Im dritten Kapitel (nebenbei bemerkt: Mein Lieblingskapitel) gehr es um „Freie Arbeiten“, also individuelle Fotografien beim Kunden oder der Verwirklichung eigener Vorstellungen und Ideen. Hier ist das Spiel mit Licht und Sonnenstand genauso ein Thema wie Morgennebel, Dunst und diffuses Licht. Die Autorin versteht es stimmungsvolle Bilder zu zaubern und lässt Ihre Leser daran teilhaben. Dieses Kapitel ist voll von wundervollen Bildideen und Erklärungen wie man diese gewinnbringend umsetzen kann. Auch auf eventuelle Fallstricke wird hinreichend eingegangen. In diesem Kapitel lässt Frau Haas auch andere erfolgreiche Pferdefotografen zu Wort kommen. So gibt es hier ein sehr interessantes Interview mit Martina Gates welches mit zahlreichen Abbildungen ihrer Arbeiten angereichert ist. Auch die bekannte Pferdefotografin Carina Maiwald zeigt Fotos und ist als Interviewpartner im Buch dabei.

Im letzten Kapitel geht es um den „Traumjob Pferdefotograf“ Hier beleuchtet Wiebke Haas den kommerziellen Ansatz in der Pferdefotografie. Wie findet man den Einstieg in das Business und was ist zu tun um ins Gespräch zu kommen und langfristig erfolgreich zu werden ? Diese Fragen werden zumindest ansatzweise besprochen und mögliche Antworten aufgezeigt.

In der heutigen Fotografie spielt natürlich die Nachbearbeitung eines Fotos am Computer eine entschiedene Rolle. So findet sich nach den jeweiligen Hauptkapitel auch immer ein passender Bildbearbeitungsteil Die Autorin erklärt hier Ihre Vorgehensweise bei der Katalogisierung und Nachbearbeitung. Zum Einsatz kommen dabei die Programme Adobe Lightroom und Adobe Photoshop. Die Erklärungen dazu sind allerdings sehr knapp gehalten. Anfänger in der Bildbearbeitung bekommen hier definitiv keine „Step by Step – Anleitung“ und werden um die Zuhilfenahme von Zusatzliteratur oder dem Besuch eines Workshops nicht umhinkommen. Natürlich muss man sagen, dass es auch nicht der Anspruch des Buches ist, dem Leser die Bildbearbeitung detailliert zu erklären. Die Autorin zeigt, welche Schritte sie in der Bildbearbeitung unternimmt und warum sie das tut. Das ist für ein Buch mit dem Schwerpunk „Pferdefotografie“ dann auch durchaus ausreichend.

Fazit: Mit dem Buch „Faszination Pferdefotografie“ hat Wiebke Haas ein Buch geschrieben, dass sich sowohl an „Themenanfänger“ wie auch an Fortgeschrittene wendet. Unter der Voraussetzung, dass sich der Leser bereits mit den Grundlagen der allgemeinen Fotografie auskennt und die Funktionen seiner Kamera beherrscht ist es ein sehr wertvoller Ratgeber um zu ausdrucksstarken und „lebendigen“ Pferdefotos zu gelangen und aus meiner Sicht eine klare Kaufempfehlung.

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