Buchbesprechung„ Zeitraffer-Fotografie“

Rezension „ Zeitraffer-Fotografie“ Autor: Gunther Wegner. Erschienen im mitp-Verlag.
ISBN: 978978-3-8266-9488-2 für 29,95 EUR.

Zeitrafferfotografie liegt zweifelsohne im Trend der Zeit. Auf einschlägigen Fotoportalen oder auf YouTube wetteifern Fotografen und Videofilmer darum diese interessanten Kurzfilme zu präsentieren. Leider stößt so mancher schnell auf scheinbar unüberwindbare Hürden. Ruckelnde Filmsequenzen sowie unterschiedliche Helligkeiten sind nur zwei der häufigsten Fehler die ein aufwendiges und  mit Herzblut produziertes Video schnell unprofessionell und langweilig wirken lassen.  Mit dem vorliegenden Buch möchte der Autor dazu beitragen, dass die entstandenen Filme möglichst fehlerfrei und vorzeigbar werden. Neben den unumgänglichen Grundlagen wird ein detaillierter Workflow vorgestellt, der es auch dem Anfänger ermöglichen soll, schnell zu ansprechenden Videosequenzen zu gelangen. Dabei werden nicht nur einfach irgendwelche Kameraeinstellungen empfohlen, sondern auch das jeweilige Motiv und die individuelle Lichtsituation berücksichtigt. Da es bei der Erstellung der Filme wesentlich auf den Schnitt und die Nachbearbeitung des Materials ankommt, stellt dieses Thema den zweiten Schwerpunkt des Buches dar. Dabei setzt Herr Wegner hauptsächlich Adobe Lightroom und das von ihm entwickelte LRTimelapse ein. Damit der Leser sofort loslegen kann, bietet der Autor eine Testversion seines Programms auch gleich zum kostenlosen Download an. Zwar ist diese Version auf Sequenzen mit 400 Bildern beschränkt, was aber trotzdem die Möglichkeit bietet Filme mit bis zu 16 Sekunden Länge zu produzieren.



 

Das 175 Seiten starke Buch ist in insgesamt 5 Kapitel unterteilt. Dazu gesellt sich noch ein Anhang der sich um die Besonderheiten von Lightroom 3 bzw. 4 kümmert, Frame-Raten bespricht und einige Checklisten und Kurzübersichten bietet.

 

Die Kapitel bauen aufeinander auf und geben somit insgesamt ein rundes Bild ab.

 

Kapitel 1:  Arbeitsweise

Hier findet der Leser Hinweise zu benötigtem Equipment, Motivwahl, die Aufnahme eines Zeitraffers und dem Bearbeiten der Zeitraffer-Sequenz.

 

Das erste Kapitel ist meiner Ansicht nach auch das wichtigste. Ich kann jedem nur empfehlen, diesen Teil des Buches aufmerksam zu lesen. Natürlich finden altgediente Fotografen auf diesen Seiten jede Menge bekannte Fakten aus der Fotografie vor. Vor dem Hintergrund des Filmens mit der Kamera jedoch erscheint so manches in einem anderen Licht, da es sich eben nicht (wie bei einem Foto) um die  Momentaufnahme einer bestimmten Situation handelt, sondern um die Abbildung vieler, einzelner  Momente die dann zu einem stimmigen Ganzen verschmolzen werden sollen. Vom Aufnahmemodus über Autofokus, Blende und Belichtungszeit wird hier auf jeden Parameter eingegangen, der die Entstehung eines Filmes beeinflusst. Gerade das Zusammenspiel von Verschlusszeit und Framerate dürfte auch für erfahrene „Nur“-Fotografen Neuland sein, das es zu verstehen gilt. Auch werden hier noch hilfreiche Tricks und Kniffe verraten, wie man unterschiedlich belichtete Sequenzen dennoch zu einem stimmigen Gesamtbild bringen kann.

Nachdem die theoretischen Grundlagen erläutert wurden, geht es dann auch gleich ans Eingemachte; – das eigentliche Shooting. Schwerpunkt hier sind die Aufnahmeintervalle und Ihre Auswirkung auf das Ergebnis. Abgerundet wird das Ganze dann auch mit Hilfe einer übersichtlichen Tabelle.  Nach dem Shooting ist das Bearbeiten der Zeitraffer-Sequenz angesagt. Auch dazu wird im ersten Kapitel jede Menge Rüstzeug mitgegeben. Lightroom, Lightroomvorgaben und der Workflow mit Lightroom werden detailliert beschrieben. Ebenso natürlich der Umgang mit LRTTimelapse. Besonders gut hat mir der Abschnitt „Der Heilige Gral- Tag zu – Nacht- Zeitraffer“ gefallen. Bei diesen Übergängen von Helligkeit in die Dunkelheit kommt es zwangsläufig zu Problemen vor denen auch ich stand. Mit Hilfe der im Buch erklärten Verfahren ist es mir jedoch relativ einfach und schnell gelungen, einen ansprechenden „Testfilm“ zu erstellen.

 

Kapitel 2: Motion control – Zeitraffer mit bewegter Kamera

 

Nachdem der geneigte Leser mit Hilfe der in Kapitel Eins beschriebenen Verfahren bereits in der Lage ist, einen vollständigen und ansehnlichen Zeitrafferfilm zu erstellen, kommt nun noch die besondere Dynamik ins Spiel, die durch zusätzliche Bewegung des Bildausschnitts erreicht werden kann.

Der Autor erklärt hier umfassend, wie dieser Effekt mit Hilfe der Nachbearbeitung künstlich und somit kostengünstig erreicht werden kann. Im zweiten Teil des Kapitels wird die Umsetzung der Bewegung während der Aufnahme besprochen. Dies führt zwar zu besseren Ergebnissen, ist aber meiner Meinung nach für den „Gelegenheits-Zeitraffer-Amateurfotografen“ wegen der damit verbundenen, teils immensen, Kosten für zusätzlich benötigte Hardware eher theoretischer Natur. Dennoch: „Gut zu wissen wie es geht“.

 

 

Kapitel 3: Zeitraffer des Nachthimmels und der Milchstraße.

 

Wie der Titel des Kapitels bereits unmissverständlich deutlich macht, geht es hier um die Zeitrafferfotografie bei Nacht. Glücklicherweise sind diese Aufnahmen dann auch wieder ohne aufwendiges Zusatzmaterial für den Amateurfotografen zu verwirklichen. (Ausnahme: Ein externer Auslöser der aber, falls nicht ohnehin bereits vorhanden, keine großen Löcher in die Haushaltskasse reißt.) Der Autor zeigt hier nicht nur faszinierende Aufnahmen des (afrikanischen) Nachthimmels, sondern lässt sich auch wieder ganz genau in die Karten blicken. Die Herausforderung beim Fokussieren ist hier genauso Thema wie die Kameraeinstellungen und die Besonderheiten in der Nachbearbeitung.

 

Kapitel 4: Startrails – Ein ganzer Zeitraffer in einem Bild.

 

Ebenfalls interessant ist es, die einzelnen Aufnahmen nicht als Folge zu einem Film, sondern zu einem einzelnen Bild zu verrechnen. Dauerbelichtung nannte man das zu analogen Zeiten. Anhand seiner Nachtaufnahmen zeigt Herr Wegner, wie man so etwas auch digital aus mehreren Einzelbildern zu Stande bekommt.

 

Kapitel 5: Einen richtigen Film erstellen

 

Nachdem Sie in den vergangenen Kapiteln einzelne Videosequenzen erstellt haben, lernen Sie hier, wie sie diese zu einem „großen Film“ verschmelzen können. Um dieses Ziel zu erreichen benutzt der Autor hier das kostengünstige Programm „Adobe Premiere Elements“. Natürlich wird das Importieren des verschiedenen Filmmaterials erklärt, sowie einfache Schnitttechniken besprochen. Auch das Unterlegen des Films mit Musik und Soundeffekten fehlt nicht. Schön finde ich auch den kurzen Abschnitt die sinnvollen Schritte die unternommen werden können um das Video für YouTube oder Vimeo zu optimieren.  Auch die Abhandlung über „freie Musik“ und deren Bezugsquellen sowie über das Creative-Commons-Lizenzmodell ist sehr hilfreich wenn der frisch ernannte Filmautor nicht gleich in die Abmahnfalle der Musikindustrie laufen möchte.

 

Fazit: Das Buch: „Zeitraffer-Fotografie“ ist ein empfehlenswertes Buch was zweifelsohne das Zeug zum Standardwerk für Einsteiger hat. Der Autor zeigt, dass er in diesem Thema Zuhause ist. Mit Ausnahme der in Kapitel 2 vorgestellten Hardwareintensiven „Moves“ sind so gut wie alle Techniken auch für den Amateurfotografen ohne großartige zusätzlichen Kosten nachzustellen. Manchen Absatz musste ich zwar zweimal lesen um den vorgestellten Workflow zu begreifen, aber das dürfte daran gelegen haben, dass das Thema auch für mich Neuland war. Der Autor verzichtet weitestgehend auf Fachbegriffe. Falls doch, dann werden diese auch erklärt. Insgesamt ist das Buch, für ein Sachbuch, locker geschrieben und auch für Leser mit keinen oder nur geringen Vorkenntnissen zu diesem speziellen Thema leicht zu verstehen.  Allgemeine Vorkenntnisse in Bezug auf die Fotografie sollten hingegen bereits vorhanden sein, was bei der angesprochenen Zielgruppe aber überwiegend der Fall sein dürfte.

 

Einzelbewertung (Höchstpunkzahl pro Kategorie = 5 Punkte):

 

Themenverständlichkeit und Schreibstil: 4 Punkte

Themenrelevanz: 5 Punkte

Preis- / Leistung: 4 Punkte

 

Ergebnis: Das Buch erhält von mir 13 der möglichen 15 Punkte = Note: 2+

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