Buchbesprechung: „Photoshop für Digitalfotografen“

Rezension „Photoshop für Digitalfotografen: Erfolgsrezepte zum Arbeiten mit CS6 und CC“ Autor: Scott Kelby. Erschienen im dpunkt-Verlag.

ISBN: 978-3-86490-112-6 für 36,90 EUR.

 

Mit dem Titel „Photoshop für Digitalfotografen: Erfolgsrezepte zum Arbeiten mit CS6 und CC“ legt der amerikanische Erfolgsautor „Scott Kelby“  ein weiteres Photoshop-Buch vor. Oftmals wird ja scherzhaft behauptet, dass Scott jede Woche ein neues Buch herausbringt. Dem ist natürlich nicht so. Tatsache ist jedoch, dass Mr. Kelby zwischenzeitlich eine erhebliche Anzahl von Fachbüchern rund um das Thema Fotografie und Bildbearbeitung geschrieben hat und wohl zu den meistgelesensten Autoren dieses Genres zählt.  Kann ein weiteres Buch aus seiner Feder tatsächlich überzeugen, oder wiederholt er sich nur selbst?




 

Mit einem Umfang von fast 500 Seiten ist das Buch wahrlich kein Leichtgewicht mehr. Auch rein körperlich macht es schon etwas her. Mit dem Verlagswechsel von „Pearson Addison Wesley“ zum Heidelberger dpunkt-Verlag erwartet den deutschsprachigen Leser nun ein „Kelby-Buch“ im stabilen Festeinband, welches sogar geringfügig preiswerter ist als der Vorgänger beim alten Verlagshaus. Leider fehlt dem Festeinband der kleine Leinenstreifen der als Lesezeichen dient. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.
Damit es den geneigten Leser leichter fällt, die Arbeitsbeispiele nachzuvollziehen, stellt der Autor erneut Bildbeispiele zum Download zur Verfügung. Außerdem  gibt es auch wieder einen Mehrwert in Form von Bonuskapiteln in deutscher Übersetzung auf der Verlagsseite im Web.
Das Scott Kelby Amerikaner ist, wird dem Leser bereits während der Lektüre der ersten Seiten klar. Der Schreibstil ist, wie bei allen seiner Bücher, „flockig leicht“ und der ein oder andere deutsche Leser braucht möglicherweise ein paar Seiten um sich daran zu gewöhnen. Seiner eigenen Tradition folgend sind die einzelnen Kapitel auch diesmal wieder nach Filmen, Liedern oder TV-Shows benannt.

Doch genug der Vorrede, kommen wir nun zum Wesentlichen, – dem Buchinhalt.

 

In den insgesamt 14 Kapiteln geht Scott Kelby wirklich in die Tiefe ohne dabei ermüdend zu wirken oder Anfänger zu überfordern. Wer die einzelnen Kapitel der Reihenfolge nach liest, erhält „ganz nebenbei“ einen passenden und sinnvollen Workflow für seine Bildbearbeitung. Zwingend notwendig ist dieses Vorgehen jedoch nicht. Sie können das Buch gleichwohl als Nachschlagewerk nutzen und direkt zu den für Sie augenblicklich interessanten Themen wechseln. Gut gefallen haben mir die „Photoshop Killer Tipps“, die am Ende eines jeden Kapiteln nochmals hilfreiche Kniffe bieten um zu einem ansprechenden Ergebnis zu gelangen.

 

In Kapitel 1 geht es um die Bildauswahl mittels „Mini Bridge“ die wirklich detailliert erklärt wird. Ich muss zugeben, dass ich diesen kleinen Helfer bislang noch gar nicht entdeckt habe (Obwohl er laut Kelby bereits mit der Version CS5 eingeführt wurde). Ich öffne meine Bilder bisher immer direkt aus Lightroom, oder aus der „normalen“ Bridge. Mit der Mini Bridge ist es möglich, Fotos als Vorschau zu betrachten und auszuwählen ohne das Programm Photoshop verlassen zu müssen. Wenn man so lange mit einem Programm arbeitet wird man schon einmal etwas betriebsblind wenn es um Neuerungen geht. Punktsieg für Kelby.

 

Kapitel 2 wird richtig spannend, widmet es sich doch um die Camera-Raw-Grundlagen.
Dieses Kapitel kann ich jedem Fotografen nur ans Herz legen. Zwar hat sich mittlerweile auch unter Anfängern herumgesprochen, dass es in den meisten Fällen besser sei im RAW-Format zu fotografieren, die wirklichen Vorteile bleiben aber oft unerwähnt. Scott Kelby schließt diese Wissenslücke meisterhaft. Dass man mit dem Camera-Raw-Modul auch JPG- oder Tif-Dateien bearbeiten kann bleibt auch nicht unerwähnt. Neben den klassischen Tips für Ein- und Umsteiger kommen auch Kameraprofile, Weißabgleich und Belichtungskorrektur zur Sprache.

 

Kapitel 3 und Kapitel 4 schließen sich nahtlos an das vorherige Kapitel an. Camera-Raw für Fortgeschrittene und Anpassungen in Camera-Raw sind hier das Thema. Das Mr. Kelby ganze drei Kapitel für das Modul Camera-Raw reserviert verdeutlicht die Wichtigkeit dieses schnell weggeklickten Moduls. Von der Korrektur der Bilddateien über individuelle Vorlieben bis hin zu den Möglichkeiten der Bildbearbeitung wie Porträtretusche, Verlaufs- oder Spezialfilter und Spezialeffekte wird hier alles besprochen und erklärt, was dieses Modul so hilfreich macht. Wie im gesamten Buch sind auch hier die notwendigen Einzelschritte farbig bebildert, so dass auch ungeübte Anwender die Tätigkeiten leicht nachvollziehen können.  Natürlich stehen auch hier wieder am Schluss die Photoshop-Killer-Tips.

 

In Kapitel 5 wird dem Leser gezeigt, wie er die Größe seiner Fotos anpassen kann. Sehr gut gefallen hat mir, dass  sich das hier gezeigte nicht nur auf das „wie“, sondern auch auf das „warum“ bezieht. Nach der Lektüre dieses Kapitels sollte es für Anwender kein Rätsel mehr sein, wie die Größe von Digitalkamerafotos nachträglich verändert wird, wie scharfe Ausdrücke in Postergröße gelingen und schiefe Fotos ausgerichtet werden. Hand aufs Herz, haben Sie schon einmal „inhaltsbasiert skaliert“ oder wissen Sie auch nur was das bedeutet? Ich bislang noch nicht.

 

Kapitel 6 widmet sich der Umwandlung von Farb- in Schwarzweiß Fotos.
Zugegebenermaßen benutze ich seit geraumer Zeit das externe Plugin „Silver Efex Pro 2“ wenn ich Bilder in SW-Aufnahmen umwandle.  Auch Scott Kelby kommt zu dem Schluss, dass die in Photoshop enthaltene Schwarzweiß-Einstellungsebene eher ungeeignet für das Vorhaben ist. Er geht sogar so weit zu behaupten, dass er keinen einzigen Profifotografen kennt, der dieses Werkzeug einsetzt. Ob wir es hier mit amerikanischer Übertreibung zu tun haben kann ich natürlich nicht beurteilen. Anstatt jedoch (wie ich) ein PlugIn zu benutzen, findet Scott natürlich einen Weg um mit „Bordmitteln“ zu fantastisch anmutenden SW-Aufnahmen zu gelangen. Des Rätsels Lösung lautet wieder einmal „Camera-Raw-Modul“. In sechs einfachen Schritten wird dem Leser das Verfahren nahe gebracht. Im Anschluss berichtet der Autor noch darüber, wie sich Bildtonungen in Photoshop verwirklichen lassen. Am Ende des Kapitels musste ich dann doch einmal herzhaft lachen. Hier verweist Kelby auf das Plugin „Silver Efex Pro 2“. ICH HAB ES JA GLEICH GESAGT J

 

Im nächsten Kapitel erklärt Scott, wie HDR (High Dynamic Range) Fotos mit Hilfe von Photoshop erstellt werden können. Besonders gut gefallen hat mir, dass er hierbei nicht nur das entsprechende Photoshopmodul erklärt, sondern dass er bereits bei der Einrichtung der Kamera anfängt und Tipps zum Fotografieren gibt. Nachdem die Aufnahmen dann im Kasten sind, geht es los mit der Bildbearbeitung. In diesem Falle also dem Erstellen eines HDR-Bildes aus mehreren Einzelaufnahmen. Auch hier zeigt uns der Autor wie man schnell zum Ziel gelangt. Scotts „Down and dirty“ HDR-Arbeitsablauf wird das Ganze genannt. Tatsächlich benötigt Scott wieder nur sechs Einzelschritte um zu einem vorzeigbaren Ergebnis zu gelangen. Für diejenigen, die doch lieber einen ausführlicheren Weg gehen und dafür mehr Möglichkeiten zur Einflussnahme bekommen wollen, gibt es auch noch die längere und gut dokumentierte Profivariante.
Scott hört allerdings nicht einfach auf nachdem das HDR-Bild erzeugt wurde. Nein, es geht munter weiter. Das schärfen von HDR-Bildern wird erklärt und (mein Kapitelfavorit) die „HDR-Tonung von Einzelbildern. Auch der Umgang mit „Geisterbildern“ und das abschließende HDR-Finish sind dem Autor einige Zeilen wert.

 

In Kapitel 8 geht Mr. Kelby auf die Korrektur von „verpatzten“ Fotos ein. So erfährt man beispielsweise was in Photoshop zu tun ist, wenn das Motiv bei einer Gegenlichtaufnahme im Schatten „absäuft“. (Anm.: Wenn Sie wissen wollen, wie es bei einer Aufnahme gar nicht erst dazu kommt, besuchen Sie einen meiner Fotografie-Workshops J )

Auch andere Fotoprobleme werden eingehend behandelt. Verbessern von grauen Himmel, dass korrigieren von Brillenreflexen und die Korrektur von Gruppenaufnahmen sind hier stellvertretend für weitere Themen genannt. Die notwendigen Einzelschritte sind auch hier gut dokumentiert und bebildert.

Spätestens in Kapitel 9 fängt das Buch an zu „Kelbyrisieren“. Das ist das, wofür ich Scott seit Jahren lese und wertschätze. Mit „Spezialeffekte für Fotografen“ ist das Kapitel dann auch untertitelt.

Hier ist Kelby auf der Höhe der Zeit und präsentiert Bearbeitungsmethoden um die zeitgenössische Bildsprache zu erreichen. Das Ganze beginnt mit trendigen, entsättigten Portraits. Wem das nicht gefällt findet auch eine Lösung für Hochkontrast-Portraits oder den angesagten „Grunge Look“. Wie man Digitalfotos mit einem „Instagramm-Look“ versieht wird genau wie die Erstellung von Panoramen kein Geheimnis bleiben. Ganz besonders mag ich den Abschnitt über die neuen Tilt-Shift-Effekte die dem Anwender seit der Photoshopversion CS6 zur Verfügung stehen. Auch das neue Filter „Iris- und Feld-Weichzeichnung wird detailliert und anhand vieler bebilderter Einzelschritte erklärt. So geht es dann auch weiter. Schlag auf Schlag präsentiert Scott dem Leser Filter und Anwendungsbeispiele. Scott wird dem Anspruch der „Spezialeffekte“ in allen Maßen gerecht. Die gezeigten Beispiele wirken durchweg professionell und niemals billig oder nach simpler Effekthascherei.

 

In Kapitel 10 geht es um diverse Scharfzeichnungstechniken die allesamt gut erklärt und somit nachvollziehbar beschrieben sind. Erfahrene Anwender finden hier zwar nichts wirklich bahnbrechend Neues, aber zur Wissensauffrischung ist das Kapitel auch für den genannten Personenkreis durchaus zu empfehlen. Für Photoshopanfänger ist dieses Kapitel jedoch eine absolute Pflichtveranstaltung.

 

In Kapitel 11 geht Kelby dem Thema „Drucken und Farbmanagement“ nach. Gerade hier kann ein Fotograf zahlreiche Fehler begehen.  Dennoch wird dieses wichtige Thema in den meisten Photoshop-Handbüchern sträflich vernachlässigt. Somit hat Mr. Kelby gut daran getan, diese Lücke zu schließen. Auch hier nimmt der Autor nicht nur den fortgeschrittenen Anwender, sondern auch den Anfänger mit auf die Reise. Konsequenterweise beginnt er dann auch mit den Farbraumeinstellungen der Kamera. Der gesamte Workflow, von der Aufnahme, über die korrekten Photoshopeinstellung, Monitorkalibrierung und Scharfzeichnung für den Druck, bis hin zur Ausgabe an den Drucker oder das Fotolabor wird aufgezeigt. Dabei hat man als Leser niemals das Gefühl durch Fachsimpelei ausgegrenzt zu werden.  Scott versteht es einfach mit seinen Lesern wie mit einem Freund zu sprechen.

 

In Kapitel 12 geht es um die Bearbeitung von Videoaufnahmen mittels Photoshop. Persönlich bin ich noch nicht auf die Idee gekommen, Videos in Photoshop zu bearbeiten, weil ich das mit dem Programm „Premiere Pro CC“ tue, aber vielleicht werde ich einfache Aufgaben demnächst auch einmal mit Photoshop lösen. Das notwendige „geistige“ Rüstzeug liefert Scott ja in diesem Buch mit.

 

In Kapitel 13 zeigt uns der Autor nochmal seinen persönlichen, digitalen Workflow. Hier werden keine neuen Techniken vorgestellt, sondern kurz und knapp erklärt in welcher Reihenfolge Scott Kelby seine Bearbeitungsschritte vornimmt. Mit 9 Seiten fällt dieses Kapitel auch entsprechend kurz aus.

 

Das letzte Kapitel des vorliegenden Buches spricht ausschließlich die Benutzer von Photoshop CC an, weil hier „nur“ auf Programmfeatures der Creative Cloud Version von Photoshop eingegangen wird welche Funktionen mitbringt, die in CS6 nicht enthalten sind.  Allerdings hat es dieses Kapitel auch wieder in sich. Gerade Umsteiger von der Version CS6 auf CC entdecken die neuen Möglichkeiten nicht, oder wissen nicht richtig damit umzugehen. Hier wird beispielsweise gezeigt, wie man Camera Raw wie einen Filter benutzt oder 32-Bit-HDR-Bilder direkt in Camera Raw öffnen kann. Auf die neuen Funktionen des „Verflüssigen-Filters“ wird eingegangen und die neue Möglichkeit der Perspektivenkorrektur. Dieses sind aber nur wenige Highlights des Kapitels. Alles aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen.

 

Fazit:

Ich habe selten ein so umfassendes Buch zu Adobe Photoshop in den Händen gehalten. Für Photoshopanfänger hat das Buch das Zeug zur „Photoshop-Bibel“ und ist, sofern man sich auf den typischen „Kelby-Stil“ einlassen kann, ohne Einschränkung zu empfehlen. Auch fortgeschrittenen Anwendern kann man das Buch als Nachschlagewerk durchaus empfehlen da die gezeigten Techniken den „eingestaubten“ Workflow optimieren und auch neue Wege aufzeigen ein Bild zu erfolgreich zu bearbeiten.

Normalerweise geize ich ja mit Bewertungen der Superlative, diesmal aber muss es sein.

 

Einzelbewertung (Höchstpunkzahl pro Kategorie = 5 Punkte):

 

Themenverständlichkeit und Schreibstil: 5 Punkte

Themenrelevanz: 5 Punkte

Preis- / Leistung: 5 Punkte

 

Ergebnis: Das Buch erhält von mir 15 der möglichen 15 Punkte = Note: 1

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