Buchbesprechung: „Babys fotografieren“ von Robin Long



Rezension „Babys fotografieren“
Autor: Robin Long, erschienen im dpunkt-Verlag
ISBN: 978-3-86490-114-0 für 24,90 EUR.

 

Fotos von Neugeborenen gibt es seit den Anfängen der Fotografie. Wer wollte es den stolzen Eltern auch verübeln, diesen wichtigen Abschnitt ihres Familienlebens dokumentieren zu lassen. Allerdings blieb es in der Vergangenheit eher beim schlichten ablichten des Familienzuwachs. Erst durch die 1956 geborene Neuseeländerin Anne Geddes wurde die Neugeborenfotografie mehr oder minder zu publikumsträchtigen Kunstform erhoben und einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Nachdem Anne Geddes mit Ihren Veröffentlichungen Weltruhm erlangte, hat sich die Erwartungshaltung junger Eltern an den Fotografen geändert. Ganze Generationen von Neugeborenen wurden in Hummelkostüme gesteckt, in übergroße Blumentöpfe platziert oder mit riesigen Stoffblumen oder Schmetterlingen abgelichtet. Gott sei Dank folgt Robin Long, die Autorin des vorliegenden Buches, nicht diesem Wahn sondern besinnt sich  (äußerst gekonnt) eines Besseren. So lautet der Buchtitel in der englischen Originalausgabe auch treffend: „natural newborn baby photography“. Eine Rückbesinnung auf das Natürliche eben. Accessoires kommen nur äußerst sparsam zum Einsatz. Hier und da eine Schleife im Haar, oder ein Mützchen, ein paar schöne Tücher, – das war es auch schon. Die dezente Ausleuchtung unterstreicht die Zartheit der Neugeborenen. Alle Aufnahmen wirken sanft, geradezu zauberhaft und dürften den meisten Betrachtern ein „oh wie süß“ entlocken. Robin Long versteht es mit wenig technischen Aufwand herausragende Babyfotos anzufertigen.
Das Buch richtet sich zugleich an Profifotografen, die mit der Neugeborenenfotografie ein neues Geschäftsfeld erschließen wollen, als auch an ambitionierte Papas und Mamas die Ihren Nachwuchs selbst ablichten möchten. Robin Long lässt sich in den vorliegenden 8 Kapiteln mit insgesamt 207 Seiten tief in die Karten blicken und gibt hilfreiche Tipps und Tricks, die es auch einem ungeübten Babyfotografen in kurzer Zeit ermöglichen schöne, sanfte und überzeugende Babyfotos anzufertigen die sicherlich einen Ehrenplatz im Wohnzimmer der Eltern erhalten werden und auch nach Jahren noch gerne betrachtet werden. Eine wundervolle Erinnerung an eine schnell vergangene Zeit eben.



In Kapitel 1 beschreibt Long was sie inspiriert und wie sie daraus ihre Ideen entwickelt. So ist beispielsweise das Anlegen eines „Moodboard“ eines Ihrer alltäglichen Hilfsmittel auf der Suche nach neuen Ideen. Es folgen Tipps, wie Sie Ihren eigenen Stil finden und sich fotografisch weiter entwickeln. Robin Long nimmt Sie mit auf dem Weg vom Fotografen zum Geschichtenerzähler.

„ Beim „Storytelling“ geht es darum, durch Fotos eine Geschichte zu erzählen. Sie sind der Geschichtenerzähler. Es ist Ihre Aufgabe, die Augenblicke zu erfassen, um die Geschichte darzustellen. Wovon wollen Sie die Betrachter überzeugen. Was sollen sie sehen, fühlen und erleben? “

Der Leser erfährt mehr über die wesentlichen Elemente des fotografischen Geschichtenerzählens. Gefühlsgeschichten, Beziehungsgeschichten, Ausdruck der Persönlichkeit sind hier die Beispiele.

In Kapitel 2 dreht sich alles um das Licht. So kommen Lichtqualität, Tageszeit und Hilfsmittel zur Lichtlenkung zur Sprache. Es folgen Abhandlungen zur Blende, ISO und Belichtungszeit und das Zusammenspiel der genannten Elemente. Natürlich kann auch Robin Long hier keine bahnbrechend neuen Erkenntnisse liefern. Aber auch wer weiß, welchen Gesetzmäßigkeiten das Licht folgt und wer bereits die klassischen Beleuchtungstechniken der Portraitfotografie kennt, findet in Bezug auf die Neugeborenenfotografie wertvolle Hinweise. Für alle anderen ist das Kapitel auf jeden Fall eine Pflichtübung. Long versteht es die Zusammenhänge auf einfache Art und Weise zu erklären und somit auch Anfänger oder wenig geübte Fotografen in der Materie sattelfest zu machen. Im Anschluss an das „allgemeine Lichtthema“ findet der Leser noch Hinweise zu über- oder unterbelichteten Aufnahmen und zum Weißabgleich. Außerdem klärt uns die Autorin noch über den Inhalt Ihrer Kameratasche auf und gibt auch hier Empfehlungen ab.

Kapitel 3 befasst sich mit der Planungsphase des Shootings.
In diesem Kapitel zeigt sich einmal mehr, wie professionell Long ans Werk geht. Hier wird eigentlich nichts dem Zufall überlassen. Besonders gut gefallen hat mir, dass neben den rein technischen Vorbereitungen auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz kommt. So wird zum Beispiel auf das „Vorbereiten der Eltern“ eingegangen. Vom ersten Kontakt, über die Vorbesprechung bis hin zu einer Kundenanleitung ist an alles gedacht. (Notiz an mich: „Welcome Guide für Eltern erstellen“).
Ein paar Tage vor dem Shooting beginnt die Autorin damit, den Aufbau und die Posen zu planen – und auch daran darf der Leser wieder teilhaben.  So sind „Auswahl der Accessoires, letzte Vorbereitung, Spickzettel und die Zusammenstellung von Farbschemata“ Bestandteil des Kapitels. Weiter geht es dann mit einer Anleitung für einen einfachen Setaufbau und „Dingen die jeder Neugeborenenfotograf zur Hand haben sollte“. Bei der Requisitenwahl geht die Autorin sogar auf das Alter der Babys ein und gibt dem Leser wichtige Hinweise welches Requisit für welches Alter geeignet ist. Auch der wichtige Abschnitt über die Sicherheit des Babys fehlt hier nicht.

In Kapitel 4 dreht es sich dann logischerweise um das eigentliche Shooting.
Es ist unglaublich, was man so alles beachten muss und wie man mit durchaus einfachen Tricks zu „zuckersüßen“ Babyaufnahmen kommt. Ein wesentlicher Bestandteil des Kapitels sind die „Posen für Neugeborene“. Bevor diese jedoch besprochen werden, gibt es zunächst ein paar hilfreiche Angaben zur „Posenlehre“, Zeitplanung und den behutsamen Umgang mit „zappeligen“ Babys. Dann geht es mit den vier Grundposen (Seitenlage, Hüfte, Kinn und Knäuel) los. Immer ist Long darauf bedacht, das Baby sicher und behutsam (eben liebevoll) in die entsprechende Position zu bringen. So ist eine Abhandlung für sanfte Umbettungstechniken eigentlich schon selbstverständlich in dem Buch zu finden.  Auch die Eltern dürfen hierbei gerne helfen. Auf mehreren Seiten werden die Beispielbilder aus Robin Longs Portfolio gezeigt, die Babys in den sehr gut beschriebenen Posen zeigen. Und die Bilder sind allesamt einfach bezaubernd.

Weiter geht es mit Familienbildern. Jetzt dürfen auch Geschwister und Mama und Papa mit auf das Bild. Auch zu diesen Bildern gibt es wieder zahlreiche Anleitungen und Beispiele.

Kapitel 5
Wie bereits mehrfach erwähnt ist die Autorin wirklich sehr um das Wohlergehen ihrer kleinen Kundschaft bemüht und so wundert es nicht, dass es sich in diesem Kapitel um die Anatomie eines Neugeborenen dreht. Es wird auf das Kreislaufsystem des Babys eingegangen, auf die Temperatursteuerung (zu kalt, zu warm), auf die Neugeborenenhaut und die Körpersprache des Babys. Schön sind auch die angesprochenen Beruhigungstechniken wenn das Kind schreit und / oder erschrickt.

Im nächsten Kapitel (6) werden die bereits erwähnten Bildgeschichten erklärt und Techniken aufgezeigt, wie man fotografische Geschichten erzählt. An dieser Stelle würde es den Rahmen der Buchbesprechung sprengen auf Einzelheiten einzugehen. Zu allen vorgestellten Techniken (Detail erfassen, offene Augen, Makro-Fotografie, (Ein-)Wickeltechnik gibt es wieder wunderschöne Bildbeispiele im Buch. „Ästhetik von Schwarzweiß“ wird ebenso Raum eingeräumt, wie „der Kraft der natürlichen Bildsprache“

Robin Long endet nicht mit dem fotografierten Bild. Auch wichtige Schritte der Bildbearbeitung werden im nachfolgenden Kapitel 7 beschrieben. Auswahl und Schärfeprüfung, Grundkorrektur der Bilder, nachträglicher Weißableich und die Korrektur von Belichtungswerten sind Beispiele für die im Buch beschriebenen Techniken.  Natürlich kann Long das nicht mit der Gründlichkeit eines Fachbuchautors für Photoshop oder Lightroom tun. Elementare Techniken der Bildbearbeitung werden aber durchaus ausreichend beschrieben. Sogar die Kalibrierung des Monitors wird kurz angerissen.

Im letzten Kapitel geht die Autorin auf den kommerziellen Aspekt der Neugeborenenfotografie ein. Sie beschreibt ihren eigenen Weg zur kommerziell erfolgreichen Fotografie von Babys und verrät dem Leser einigen Kniffe um sich selbst am Markt zu etablieren. Beispielsweise werden Verfahren erklärt um sich von der Masse abzuheben und Werte zu schaffen. Natürlich dürfen hier auch einige Worte zum (potentiellen) Kundenstamm und Kundenaquise nicht fehlen. Wie baut man Beziehungen auf und übertrifft Kundenerwartungen? Was sind „Zielkunden“ und  welchen Wert hat Mundpropaganda?

Auch sozialen Medien wie Facebook und Twitter sowie dem eigenen Blog und der Website wird hier Beachtung geschenkt. Ebenso wird auf die Themen Businessplan und Portfolio und Preisgestaltung eingegangen.

Fazit: Wenngleich (oder obwohl) ich in einem gänzlich anderen fotografischen Genre tätig bin, hat mich dieses Buch von vorne bis hinten gefesselt. Ich habe bei der Lektüre richtig Lust bekommen, mich aktiv mit der Neugeborenenfotografie zu beschäftigen. Alles was notwendig ist wird detailliert erklärt und lässt kaum Fragen offen. Man kauft der Autorin jedes Wort ab und spürt die Liebe die Robin Long ihrem Beruf und natürlich „ihren“ Neugeborenen entgegen bringt.

Einzelbewertung (Höchstpunkzahl pro Kategorie = 5 Punkte):

Themenverständlichkeit und Schreibstil: 5 Punkte
Themenrelevanz: 5 Punkte
Preis- / Leistung: 5 Punkte

Ergebnis: Das Buch erhält von mir 15 der möglichen 15 Punkte = Note: 1

 

 

 

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